Geist in der Feder?

Herzlich Willkommen auf Federgeist!

Dies ist eine Sammlung von Anekdoten, Geschichten und Gedichten, zum großen Teil von uns zwei Autorinnen selbst verfasst. Deshalb bitte ich Euch, liebe Leser, auch um Nachsicht was die Regelmäßigkeit angeht mit der wir schreiben. Da dies kein “Tagebuch” – Blog ist, müssen wir auch ein wenig inspiriert sein um etwas zu schreiben, weshalb es auch mal längere Pausen geben kann.
Ich hoffe Ihr habt trotzdem viel Spaß.

Möge uns der Geist in der Feder nie abhanden kommen!!

;)

Veröffentlicht in:  on September 16, 2008 at 2:04 pm Hinterlasse einen Kommentar
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unverhofft

“Danke für’s herfahren! Und schönen Feierabend!”
“Ja, dir auch!”
“Und grüß schön zu Hause!”
Sie stieg aus dem Auto und machte sich auf den Weg Richtung Bahnhof .
Wie immer war sie froh und glücklich, dass Alexander sie wieder einmal rum
gefahren hat.
Sie durchquerte die Unterführung zu den Gleisen. Auf dem Bahnsteig erkannte sie
viele bekannte Gesichter, die sie von ihren täglichen Fahrten mit der
Bahn kannte, die andere Leseratte, der verwahrloste Typ, die blonde
Barbie.

Sie beobachtete die Menschen, die ihren Weg kreuzten. Sie sah in zwei
blaue Augen und konnte ihren Blick nicht abwenden. Auch die blauen
Augen liessen nicht von ihren ab. Sie waren zusammengeklebt. Auf
einmal spürte sie ein Kribbeln in ihrem Bauch, dass sie seit einer
Ewigkeit nicht mehr gefühlt hatte.
Wer war dieser Typ? Sie sah sein weiches Gesicht, die kurzen Haare,
wieder die blauen Augen.
Vor lauter Scham senkte sie ihren Blick und ging einige Meter weiter.
Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Er sah gut aus und zeigte
Interesse. Was sollte sie jetzt tun? Sie sah wieder zu ihm hinüber.
Ihre Blicke trafen sich erneut. Seine weichen Lippen zogen sich zu
einem breiten Lächeln. Ihre Lippen verselbständigten sich und
antworteten ebenfalls mit einem Lächeln.
“In wenigen Minuten erhält der Metronom Richtung Hamburg, Abfahrt um 17.28 Uhr, Einfahrt auf Gleis 3. Bitte Vorsicht bei der Einfahrt!”
Ein letzter Blick und der Zug fuhr wie versprochen ein. Kleine
Grüppchen sammelten sich jeweils vor den Türen. Nachdem die Türen
sich geöffnet hatten und die Passagiere ausgestiegen waren, drängten
sich die Menschen in den Zug. Sie nahm den oberen Weg und schaute
verstohlen zur Seite. Er folgte ihr.
Statt wie üblich einen Zweier-Sitzplatz zu besetzen, nahm sie an einem freien
Vierer Platz und wartete ab. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, bevor
sie ihn endlich entdeckte.
Er wirkte unentschlossen, sollte, durfte er sich setzen oder sollte er
lieber weiter gehen? Er blickte sie hoffnungsvoll an. Sie fand sein Zögern
anziehend und deutete ihm, dass er sich doch setzen solle.
Wieder schauten sie sich tief und lange in die Augen.
Sie hatten ihr Sprachrohr gefunden.

Kino, Freizeit, Arbeit, Freunde … Sie redeten über alles, was ein
erstes Treffen zu bieten hatte. Er lebte im Süden von Deutschland und
kam eben auf einer Geschäftsreise vorbei. Seine Attraktivität verlor
sich im Gespräch nicht, aber wohl ihr Interesse.
Von Zeit zu Zeit verlor sie sich immer wieder in seinen Augen, seinen
Lippen. Während sie redeten, sich auf und ab bewegten, wuchs der Wunsch in ihr, sie zu küssen, herauszufinden, wie es sich anfühlte. Sie fuhren gerade aus Harburg
heraus Richtung Hamburg, da konnte sie an nichts anderes mehr denken,
als ihn zu küssen.
Als sie ausstiegen, hatte sie ihren Entschluss gefasst.

Sie würde etwas tun, dass ihr allen Mut kostete, den sie aufbringen
konnte und was sie sonst nie tun würde. Sie beugte sich nach vorne,
näherte sich den blauen Augen, den weichen Lippen. Sie hatten die
gesamte Fahrt über danach gebettelt. Sie gab nur nach. Sie schloss
ihre Augen und ihre beiden Lippen berührten sich.
Er wehrte sich nicht und lies es geschehen. Er erwiderte ihren Kuss.
Kurz bevor sie sich in dem Kuss verlor, trennte sie sich von ihm und
sah in sein erstauntes Gesicht.
“Danke schön!”, laechelte sie ihn an und ging.
Sie drehte sich um und lies ihn in dem vollen völlig femden Bahnhof
stehen. Sie hatte bekommen, was sie wollte. Sie hatte es sich einfach genommen.
Mit einem Grinsen im Gesicht fuhr sie die Rolltreppe hinauf und
schaute ihrer Zukunft entgegen.

Veröffentlicht in:  on November 26, 2009 at 10:36 am Hinterlasse einen Kommentar
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Schokobraun

Es war Nacht und ich lief weg.

Nach Tagen von Einsamkeit und Schmerz hatte ich die Chance bekommen und sie ergriffen, nun lief ich allerdings eine Straße entlang, hatte keine Ahnung wo ich war, hatte schon eine Ewigkeit nichts getrunken, geschweige denn gegessen und meine Pfoten taten mir weh. Ich hatte nur ein Ziel vor Augen, zurück  nach Hause zu gelangen. Dies gestaltete sich allerdings schwieriger als ich ursprünglich gedacht hatte.

Ich verstand immer noch nicht was passiert war. Warum hatte Er es zugelassen, dass sie mich mitnehmen? Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, Er hat mich einfach weggegeben. Aber warum? Der Schmerz der mit diesen Gedanken verbunden war, breitete sich wieder in meiner ganzen Brust aus. Warum wollte Er mich nicht mehr haben? Ich hatte doch alles für Ihn getan.
Nun war ich bei Menschen gelandet die mir so ein blödes Halsband mit Zacken angezogen und mich vorm Haus an einer kurzen Leine angbunden hatten. Keine Kinder zum spielen, nur wiederliches Essen, Schläge wenn ich nicht jeden anbellte  und diese endlose Einsamkeit.

Ich weiss nicht wie lange ich dort gewesen war, die Tage hatten sich hingezogen wie ein stück gummi an dem zwei Hunde zur gleichen Zeit ziehen. Irgendwann hatte ich mir nicht mehr die Mühe gemacht zu zählen.

Eines Tages kam der Mann zu mir, ich duckte mich, bereit für meine Schläge. Statt dessen jedoch nahm er mich von der Kette und griff mein Halsband, ich sah dass er mich wohl zum Auto führen wollte. Mit einem Funken Hoffnung dachte ich  „Er bringt mich zurück. Er hat gemerkt , dass ich für anderes gemacht bin als für die Kette!“. Ich stieg also voller Hoffnung ins Auto.

Nach einer ganzen Weile Fahrt hielt das Auto, mittlerweile war es Abend geworden. Als ich aus dem Auto rausprang stellte ich erschrocken fest, dass wir nicht wieder bei meinem alten Zuhause waren. Ich hörte angstvolles gejaule von Artgenossen und einige andere Geräusche die ich nicht identifizieren könnte. Und es roch… nach Blut… Erstarrt blieb ich stehen. Der Mann zerrte an meinem Halsband, doch meine Pfoten waren am Boden festgewachsen. Mir kam es eine Ewigkeit vor, wie ich da starr vor Schreck stand. Dann drehte ich mich blitzschnell, biss dem Mann in die Hand und rannte in die Dunkelheit. Ich hörte kaum noch das Geschrei und die Flüche des Mannes, ich rannte und rannte und rannte.

Irgendwann kam ich an eine Straße und dieser war ich gefolgt. So irrte ich nun schon einige Tage umher ohne zu wissen wo ich war und ich fing an die Hoffnung zu verlieren.  Es fing schon wieder an dunkel zu werden und ich war mit meiner Suche kein Stück weiter gekommen.

So in meine Gedanken versunken, hatte ich nicht bemerkt, dass die Dämmerung sich zur tiefsten Nacht entwickelt hatte und ich nicht mehr im Freien war. Ich lief am Rand von einer Art Höhle und es führen erschreckend viele von diesen „Autos“ darin herum. Sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Es roch schrecklich hier drin und ich war vollkommen orientierungslos. Matt brach ich zusammen und legte mich einfach hin. Ich wusste nicht wohin ich gehen sollte.

-  2  -

Es war ein schöner Nachmittag am Strand gewesen und nun saß Jessy mit ihrer Mutter an der Strandpromenade, aß ein cremiges Schoko-Eis und sie beobachteten den Sonnenuntergang. So mochte Jessy es am liebsten, zu beobachten wie die Sonne langsam im Horizont auf dem Wasser aufsetzt und dann im weiten Meer versinkt. Am Himmel waren die schöhnsten Farben ineinander verwoben. Von tiefsten rot in orange, grün und türkis, mit wolkentupfern, die das ganze in eine surrealistische Szenerie verwandelten.

Obwohl nun langsam die Dunkelheit kam war es warm. Es war Sommer und daher hatten sie noch Temperaturen um die 25°C, es war wirklich angenhem.

-Lass mal los, die Tiere warten auf ihr Abendbrot- sagte Jessys Mutter. – Und wir müssen noch nach hause fahren-

- Aber lass uns durch den Tunnel fahren -  sagte Jessy – Nachts finde ich den Wald oben so gruselig-

- Ja? Na gut. Dann ist es erst recht Zeit. Da brauchen wir nämlich länger- Erwiederte sie und stand auf.

Sie gingen zum Auto. Mittlerweile war es schon fast dunkel, das ging schnell sobald die Sonne einmal weg war.

Sie fuhren los und hörten dabei deutsche Schlager. Das taten sie gerne, denn ihnen kamen die Texte so irrsinnig vor, dass sie sich immer darüber lustig machten. Ausserdem, verbreiteten diese Lieder gute Stimmung. Sie fuhren also und lachten über die Fantasien so mancher Liedertexter.

Schon bald fuhren sie die Bergstraße hoch die zu dem Tunnel führte der die Bergkette der Insel einmal durchquerte. Es war relativ viel auf der Straße los, anscheinend hatten viele den Sonnigen Samstag genutzt um Familie zu besuchen, einkaufen zu gehen oder einfach oben auf dem Berg am Rastplatz mit Freunden zu grillen.

Sie fuhren in den Tunnel rein. Ungefähr in der Mitte des Tunnels sah Jessy rechts auf dem Gehstreifen etwas weißes liegen – Mami! Ich glaube da liegt ein weißes Hundchen!- Da waren sie schon dran vorbei gefahren. – Mami! Du musst umdrehen, der wird da überfahren! – Jessy sah sie mit Tränen in den Augen an. Sie sah wie ihre Mutter mit sich rang. Als sie aus dem Tunnel raus waren, schaute sie Jessy noch einmal an, dann fuhr sie eine Schleife, zurück in den Tunnel.

Nun fuhren sie auf der falschen Seite, aber Jessy konnte erkennen, dass dort tatsächlich ein weißer Hund lag.  Schon waren sie wieder vorbei.

Draussen drehte ihre Mutter noch einmal. Nun fuhren sie etwas langsamer in den Tunnel rein, was ihnen ungedult von den Autos hinter ihnen einbrachte. Dann erreichten sie den Hund. Sie fuhren einen VW Bus und Jessy hatte sich schon hinten an der Schiebetür positioniert. Sie riss sie auf und schrie – Komm, komm, spring rein!! – Der Hund schaute auf, aber reagierte erst nicht – Nun komm schon! – Schrie sie ihn tränenüberströmt an. Die Autos hinter ihnen fingen an zu Hupen. Da sprang er endlich rein. Erleichtert zog Jessy die Tür zu und ihre Mutter fuhr weiter.

Nun konnte sie das „Hundchen“ betrachten. Von „Hundchen“  kein Spur. Es war ein weißer Hund von der Statur eines zu groß geratenen Schäferhunds, mit Schwarzen Ohren und grauer Schnauze, der sie mit großen Augen ansah. Jessy sah in seine Schokobraunen Augen und wusste im gleichen Moment, dass sie einen Seelenverwandten gefunden hatte.

Ihre Mutter drehte sich kurz zu ihnen um und sagte – HundCHEN? Von CHEN kann da keine Rede sein -

- 3 -

Plötzlich war ein Geräusch anders als das Surren der vorbeifahrenden Autos. Ich schaute auf und blickte in ein großes Auto aus dem mich ein Mädchen ansah und mir irgendwas zuschrie. Ich brauchte eine ganze Weile bis ich begriff. Als ich begriff sprang ich einfach, meine Beine taten dass, was mein Instinkt sagte ohne, dass mein Kopf dazu gekommen war darüber nachzudenken. Vielleicht war es die Verzweiflung die ich sehr wohl in der Stimme des Menschenmädchens verstanden hatte.

Kaum war ich drin, schloss sich die Tür durch die ich gesprungen war und das Mädchen schaute mich erleichtert  an. Ich sah eine zuneigung in Ihren Augen, wie ich sie sehr lange nicht mehr gesehen hatte und mit einem Schlag war auch ich unendlich erleichtert.

Ich hörte wie eine andere weibliche Menschenstimme von hinter mir etwas sagte, ich verstand es  nicht und es war mir auch egal, denn alles was ich brauchte saß vor mir und schaute mir in die Augen. Ich war zuhause.

Dichtstunde

da saß ein kleiner Kakadu,
ich dacht er wollt nach Katmandu,
doch flog er zu den Bergen hoch,
auf seine Rückkehr wart ich immernoch.

hier sitzt ich in der kiste aus sand
und halte einen brief in der hand
er ist von dem kleinen Kakadu,
aus einem fernen land
so schreibt er von sein´ reisen nun
und hat sonst nix zu tun.
so sitz ich nun in meiner sandkiste
und schreib ihm für souvenirs ne liste

Ich sag dir jetzt  – bis gleich,
denn telenieren muss ich nun;
es wäre für mich hilfreich,
sagtest du mir, wann feierabend du gedenkst zu tun
ich dachte mir, es wäre schön
könnte ich doch nur jetzt schon gehn

das kann ich verstehen

der schmerz im kopf, er ist fast fort
drum bleib ich noch, an diesem ort
um fünf da schlägt die achte stund
drum denk ich mir, es wär g’sund
wäre ich doch einmal richtig klug
und nehme den tollen zug
dass ich um sechs in hamburg bin
ergibt das für dich einen sinn?
das klingt hervorragend für mich,
um sechs am gleis, da seh´ ich dich

sehr schön gedichtet haben wir,
nun müsst es nur noch zu papier
oder auf den blog der feder,
dort sieht es dann ein jeder.
ja, das mach doch mal geschwinde,
sonst ists dahin, in alle winde.

alles klar, bis später dann,
muss nun wieder an die arbeit ran
Veröffentlicht in:  on September 16, 2009 at 4:17 pm Kommentare (1)
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Auf der Suche nach einem guten Buch?

Wenn du auf der Suche nach einem Buch (oder auch mehreren) bist, und nicht einfach immer nur das lesen willst was hinten sowieso auf dem Buchrücken draufsteht, kann ich dir eine Seite empfehlen: Der Buchclub.

Es ist noch im Aufbau, aber dort werden Bücher vorgestellt, die die Autoren des Blogs gelesen haben und geben einen Einblick in die Geschichte, und berichten über ihre Eindrücke. Natürlich ist auch jeder willkommen seine eigene Meinung dazu zu schreiben. Ausserdem sind zu allen Büchern, sofern sie zur Verfügung stehen, Leseproben vorhanden.

Ich mache hier gaaaaaanz uneigennützig Werbung ;)

Nein, ich bin eine der Editoren beim Buchclub.

Also viel Spaß beim Bücher entdecken!

Veröffentlicht in:  on August 9, 2009 at 2:07 pm Hinterlasse einen Kommentar
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Ein vereitelter Selbstmordversuch

Auf meinem sonntäglichen Spaziergang durch das sommerliche Hamburg gab es nichts, was mich auf meine spätere Entdeckung hätte hinweisen können.
Der Sommer hatte endlich die hanseatische Stadt erreicht, die Sonne schien in voller Breite herab, der Regen, der letzten Tage kühlte die Stadt ab.
Ich entschied mich, dem Chaos meiner Wohnung zu entrinnen und dem Tag eine Chance zu geben, mich am Wetter zu erfreuen. Wie so oft lief ich durch den Park hinter meiner Wohnung, nahm die S-Bahn Richtung Innenstadt, ging über den Rathausmarkt, der angereichert war mit Touristen aus aller Welt und Nachbarn, die sich den Tag frei nahmen, um die Sonne zu genießen. Mein Weg führte mich direkt zu Starbucks, um dort einen eisgekühlten, leckeren, sommerlichen Caramel-Frappucino zu mir zu nehmen. Wie oft hatte ich Gott schon dafür gedankt, dass der McDonald’s der Kaffee Fast-Drink-Industrie auch endlich in Hamburg ein zu Hause gefunden hatte.
Mit dem kalten Nass in meiner Hand ging ich weiter Richtung Alster. Hier tummelten sich weitere Menschenmassen in der Sonne. Auf dem Wasser fuhren die Alsterschiffe auf und ab und zeigten den Touristen Hamburg von der schönsten Seite.
Meine entspannte Motivation lies mich kurz verweilen, bevor ich mich weiter in Richtung des nächsten Straßenfestes gleiten lies. Von weitem ertönten Musik und Gelächter. Der Duft von Bratwurst und Flammkuchen durchströmte die Strassen.
Bevor ich mich allerdings ins Getümmel stürzen wollte, pausierte ich noch ein wenig an einem der vielen Alsterkanäle und schlürfte genüsslich die letzten Tropfen meines Frappucinos. Ich schloss die Augen, lies den Kaffee meinen Gaumen kitzeln, genoss die warme Sonne auf meiner Haut, träumte von einer Welt ohne Arbeit. Ich lies meine Gedanken schweifen, als ich mich auf einer Bank nieder lies. Gegenüber küssten sich ein junger Mann und eine junge Frau, ein altes Ehepaar diskutierte über den Vorteil von eingepflanzten Bäumen in übergroßen Blumentöpfen, junge Paare genossen ihre zwei Minuten Pause, bevor es zur nächsten Herausforderung ging. Die Uhr am Rathausturm zeigte zehn Minuten nach halb fünf.
Nichts, aber auch gar nichts, hätte mich an diesem schönen Sommertag in Hamburg zu dem Gedanken veranlasst, dass es etwas auf dieser Welt geben könnte, dass sich des Lebens hier überdrüssig sein könnte.
Da fiel mein Blick auf ein Fahrrad. Es stand dort schon eine Weile, unbemerkt und unscheinbar. In Grautönen lehnte es an der Brüstung und hielt sich fern vom Leben, das es umgab. Sein Vorderrad hatte es bereits über den Zaun geschwungen. Es sah aus, ja, es sah aus, als ob es über die Brüstung klettern und springen wollte. Nur irgendetwas schien es bis jetzt zurückzuhalten. Angst?
Schock durchdrang meinen Körper. Ich sprang auf und sah über den Platz. Aber es war niemand zu sehen, der sich zu dem Fahrrad hätte bekennen könnte. Ich näherte mich und schaute in die Tiefe. Ja, diesen Sprung würde selbst ein Fahrrad nicht überleben. Ich sah es mitleidig an und griff nach dem Lenker, um es abzuhalten.
„Was hast du? Wieso tust du das?“, fragte ich das Fahrrad, aber bekam keine Antwort. Ich spürte, wie das Fahrrad zu weinen anfing. Ich wollte es umarmen, trösten, fühlte mich aber unwohl, in der Öffentlichkeit dieser Gefühlsäußerung Ausdruck zu verleihen.
Ich versuchte das Fahrrad zur Vernunft zu bringen. Ich zerrte am Lenker, um das Vorderrad wieder in Sicherheit zu bringen. Es wehrte sich, sträubte sich, es schrie mich an, es in Ruhe zu lassen. Ich bemerkte, dass es an den Zaun gekettet wurde, was meine Hilfsaktion erschwerte. Das Fahrrad schien sich über meine Entdeckung zu freuen. Es nutze den Moment meiner Unachtsamkeit aus und stürzte sich erneut über die Rehling. Der Kampf begann von neuem. Fast hätte ich das störrische Fahrrad seinem Schicksal überlassen. Doch meine menschliche Überlegenheit gewann den Kampf um Leben und Tod. Ich hievte das Rad über den Zaun und stellte es auf das Pflaster zurück. Als das Rad den sicheren Boden berührte, hätte ich schwören können, ein Keuchen zu hören.
Was konnte das Fahrrad dazu veranlasst haben, diesen Schritt zu gehen? Was musste es erlebt haben, um zu einer so endlichen Entscheidung zu gelangen?
Gut, das Fahrrad war nicht mehr das jüngste. Es trug Spuren eines ereignisreichen Lebens. Die Farbe war an einigen Stellen abgeblättert, es hatte Kratzer über den ganzen Rahmen verteilt. Aber es sah immer noch topfit aus. Lance Armstrong hätte für die Tour de France sicher ein neueres und schnelleres Modell gewählt, aber für den gemeinen Hamburger Studenten hätte das Fahrrad noch mehr als ausgereicht.
Ich sah mich noch einmal um, um seinen Besitzer ausfindig zu machen, aber konnte niemanden erkennen, der sich dem Fahrrad zugehörig fühlte. Da war niemand.
Es überkam mich.
Das Fahrrad fühlte sich einsam. Als ich es mir genauer ansah, konnte ich erkennen, dass es hier schon einige Tage stand. Regentropfen vom letzten Schauer waren am Hinterrad erkennbar, sowie einige verteilte Spinnweben und Rostflecken. Einfach abgestellt und nicht wieder abgeholt. Unbemerkt streichelte ich über den Sattel, wie einem Neugeborenen über den Kopf. Es gab mir ein beruhigendes Gefühl. Ich hoffte, dass es sich auf das Fahrrad übertragen würde.
Was konnte ich jetzt tun? Ich konnte das Fahrrad nicht mitnehmen, denn trotz allem war es immer noch angekettet. Aber konnte ich es hier wirklich seiner Einsamkeit überlassen? Ich dachte an mein Fahrrad zu Hause, im dunklen Keller. Wie würde es sich fühlen, da ich es in letzter Zeit nur zu selten ausfuhr? Würde es sich über Gesellschaft freuen? Was hätten sie sich alles zu erzählen?
Aber hier ging es um den armen Drahtesel zu meinen Füßen. Was konnte ich tun? Ich sah mich um und kam zu dem Entschluss, dass ich hier nicht weiter helfen konnte. Ich hatte mein Bestes gegeben. Mehr konnte ich jetzt einfach nicht weiter machen. Ich beschloss, meinen Weg fortzusetzen und war froh, dass das Fahrrad angekettet war und somit für den nächsten Versuch gesichert war. Das gab mir ein wenig Ruhe gegenüber meinem schlechten Gewissen.
Aber ich konnte auch nichts weiter tun. Ich konnte dem Wunsch des Fahrrads nach Gesellschaft und einem Sinn im Leben nicht nachkommen. Dieses Problem konnte ich nicht zu meinem machen. Es war nicht mein Problem! Ich hatte meine eigene Einsamkeit, meine eigenen Herausforderungen. Ich musste los lassen. Es fiel mir schwer, aber ich musste mich hier vom Fahrrad trennen. Ich versprach, am nächsten Tag noch einmal vorbei zu kommen und nach dem Rechten zu sehen. Aber mehr ging nicht.
Die Uhr zeigte mittlerweile fünf vor fünf an. Es wurde Zeit.
So drehte ich mich um und ging weiter in Richtung Lärm und Bratwurstgeruch. Meiner Einsamkeit würde gleich ein Ende bereitet werden. Ich würde mich mit Freunden treffen, genug Bier trinken, um allen Problemen für den Moment aus dem Weg gehen zu können und dem Tag einen angemessenen Abschluss zu geben.

Veröffentlicht in:  on August 6, 2009 at 7:28 pm Hinterlasse einen Kommentar
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Eine kleine Geschichte

Es hat sich etwas zugetragen, von dem ich euch erzählen möchte.

Es war in einer Buchhandlung, nicht allzuklein, mit einem breiten Angebot mit tausenden und abertausenden von Büchern. In dieser Buchhandlung gab es raumhohe Regale, mit Taschenbüchern, Hardcovern und Zeitschriften. In den weiten Gängen standen Tische mit ausgelegten Büchern, die besonders schön waren und an denen die Besucher besonderen Gefallen fanden. Wenn man diese Buchhandlung betrat, durchschritt man die Grenze zu einer anderen Welt.

In diese Buchhandlung kamen jeden Tag Hunderte, gar Tausende von Menschen, um sich umzuschauen, sich zu erfreuen, sich selbst etwas gutes zu tun.

An einem Tag geschah es nun, dass ein junger Mann und eine junge Frau diese Buchhandlung betraten. Sie schauten sich um, gingen an den Regalen vorbei, durchsuchten die aufgestellten Tische, bis sie das fanden, was sie suchten. Eine kleine Reihe von Büchern, als Hardcover mit einem roten, verträumten Einband, das schemenhaft eine Frau darstellte.

Die junge Frau nahm eines der Bücher in die Hand, sanft und zärtlich, es legte es in die andere Hand, drehte das Buch einmal in ihren Händen. Es war wunderschön. Sie wollte es. Auf dem unteren Teil der Rückseite erkannte sie den Preis. Sie zweifelte, ob der Preis wirklich gerechtfertigt war. Mit großen, runden, braunen, traurigen Augen schaute sie den jungen Mann an. Ihr Blick verriet es, sie wollte das Buch.

Dann griff sie nach einem anderen Exemplar aus der Reihe der Bücher, auch dieses in Hardcover eingeschlagen, mit grünem, verträumten Einband, das schemenhaft eine Frau darstellte. Wie schon mit dem vorherigen Buch spielte sie damit in ihren Händen. Ihr Blick verriet, ich will es haben. Doch auch hier schreckte sie der Preis wieder ab. Wieder suchten ihre Augen sehnsüchtig das Gesicht des jungen Mannes.

Von der Sehnsucht in den Augen der jungen Frau überwältigt, nahm der junge Mann das Buch aus ihren Händen.

“Ich werde fragen gehen, wann das Buch als Taschenbuch heraus kommt!” Diese Worte erfüllten den Blick der jungen Frau mit Hoffnung und Freude. Schnell drehte sich der junge Mann um und verschwand.

Alleine stand die junge Frau nun an dem Tisch, nahm wieder eines der Bücher in die Hand, drehte es, befühlte es, schaute es sich an, öffnete es und blätterte ein wenig darin herum. Nur knapp konnte sie dem Drang wederstehen, daran zu riechen. Durch ihren Körper drang ein Gefühl der Freude und die Sehnsucht wurde immer größer.

“Das ist viel zu lange, um darauf zu warten!”, sagte auf einmal eine Stimme neben ihr.

“Ja, ne?” Die junge Frau schaute traurig und unglücklich in das Gesicht aus dem die Stimme kam.

Sie drehte sich nach dem jungen Mann um, der gerade wieder an dem Tisch erschien. Blicke der Hoffnung empfingen ihn.

“Das Taschenbuch kommt nicht vor März nächsten Jahres heraus!” Ungläubig schaute sie ihn an.

“Solange kann ich nicht warten!” Die Enttäuschung in ihrer Stimme durchdrang den ganzen Raum.

“Sind sie es wert?”

“Ja! Jede einzelne Zeile!”, antwortete die Stimme und verschwand wieder.

Als ob ein Engel aus dem nichts aufgetaucht und wieder verschwunden wäre. Es war genau das, was die junge Frau hören wollte. Der Funken, der fehlte, um die Bücher sofort mitzunehmen. Jede einzelne Zeile war diesen Preis wert. Es gab keine perfektere Ausrede für den Kauf der Bücher. Glück und Freude durchfuhren die junge Frau. Ihr Gesicht erhellte sich, sie strahlte vor Freude. Glückseelig nahm sie die beiden Bücher in ihre Hände und drückte sie an ihre Brust. Sie hatte ihre Entscheidung getroffen.

Mit den Büchern in ihren Händen ging sie Richtung Kasse. Sie stellte sich an, zog ihr Portemonnaie, übergab freudestrahlend das Geld und bekam dafür das schönste Geschenk an diesem Tag. Keinerlei Reue zeichnete ihr Gesicht. Ihre beiden sehnsüchtig verlangten Bücher hielt sie nun in ihren Händen. Es waren die ihrigen. Sie wusste schon jetzt, dass sie sie lieben würde. Der Tag war für sie gerettet. Federleicht, vor lauter Freude tanzte sie aus der Buchhandlung.

Der Engel schaute ihr nach und lächelte sanft in sich hinein. Kam ihm die Situation doch nur allzu bekannt vor.

Eine Welle des Glücks und der Freude durchschwabbte die Buchhandlung. Die Besucher bahnten sich weiter ihren Weg durch die tausenden von Geschichten, auf der Suche nach der einen, die sie, wie die junge Frau, mit Freude erfüllen würde.

An diesem Tag wurde noch viele, viele weitere Bücher verkauft. Aber keiner der anderen Besucher hinterlies jegliches Gefühl des Glücks, wie die junge Frau.

Ende.

Veröffentlicht in:  on at 7:26 pm Hinterlasse einen Kommentar
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Ein perfekter Sommerabend

Was gibt es besseres, als nach einem beschissenen Tag im Büro nach Hamburg zurückzukehren und in die offenen Arme einer Freundin zu laufen?

Die strahlenden Augen zu erblicken. Sich in ein Cafe mitten in der Stadt zu setzen, etwas zu trinken, zu lachen. Sich zu erfreuen, an den Passanten, den frechen Tauben, den Geschichten der letzten Tage, den Hoffnungen der kommenden Tage.

Und dann packt einem die Lust, “Lass uns nochmal ein wenig schauen gehen!” Nichts ist mehr vor einem sicher. Jegliche Geschäfte reifen zu potentiellen Opfern heran. Der Geist ist offen, die Ideen sind groß.

Man guckt, schaut, spielt, wechselt, redet, diskutiert, drapiert, wedelt, freut sich, ekelt sich, plant, überschlägt, lacht, trifft eine Entscheidung. “Das soll es sein!”

Und kurz bevor man aus dem Geschäft geschmissen wird, “Wir machen jetzt dicht! Bitte nur noch schnell bezahlen. Die Ware wird Ihnen dann zur Kasse gebracht!”, zückt man die EC-Karte und gibt ein Vermögen aus. Glücklich verlässt man durch den letzten offenen Ausgang das Geschäft…

Die Welt liegt einem zu Füßen, wir sind jung, die Nacht sowieso… Es fehlt nur noch eine offene Toilette! Und eine Kleinigkeit zu Essen.

Der Rathausmarkt hält alle Möglichkeiten offen, einen Flammkuchen, etwas zu sitzen, zu sehen, zu entdecken, zu diskutieren, zu lachen, zu träumen, zu wundern, zu verstecken, zu hoffen…

Der Flammkuchen ist gut, aber den Preis nicht wert. Er füllt lange nicht den Magen, aber der erste Hunger ist gestillt. Wir schauen auf das Rathaus und erblicken Dinge, die uns vorher entgangen sind, der goldene Adler auf der Spitze, die Wappen der Bundesländer, das oberste Guckloch, Bilder an der Mauer… Die anderen Besucher schauen sich mit um, entdecken mit uns zusammen Hamburg…

Dann wird es kühler, die Blase drückt, die Nacht bricht herein, der nächste Morgen ruft… Und somit machen wir uns auf … auf den Weg nach Hause.

Wir hinterlassen ein Gefühl des Glücks und der Freude im anderen. Wir verabschieden uns mit den Worten, “Das müssen wir bald wieder machen!”. Und sinken ins Kopfkissen und beenden den Tag mit den schönsten Träumen…

Veröffentlicht in:  on at 7:24 pm Hinterlasse einen Kommentar
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Durch tiefste Nacht, durch strahlendsten Sonnenschein.

Manchmal gehen wir allein,
manchmal auch zu zweit,
manchmal ist es still um uns herum,
manchmal laut unser Geleit.

Gehst du auch grad durch die tiefe Nacht?
Siehst kein Stern, kein Licht?
Bist alleine aufgewacht,
nur Schwärze dicht and dicht?

Hebe deine Tränenaugen,
schaue in den Himmel fern,
siehst du dort das funkeln
von einem Hellen Stern?

Manchmal ist dor nur Sonnenschein,
manchmal ist alles hell,
dann gehen wir gemeinsam,
und die Welt dreht sich so schnell.

Gehst du auch durch Sonnenstrahlen
die dein Herz erhelln?
könntest du unendlich fliegen
mit den Windeswellen?

Doch was du nur selten siehst,
ist die Dämmerung dazwischen,
siehst nur Nacht und Tag,
nicht, wie sie sich vermischen.

Paintballverbot

Die Regierungskoalition beweist, dass die Killerspiel-Debatte auch ganz ohne Computer geführt werden kann: Neben Action-Computerspielen wie Counterstrike soll jetzt auch Paintball verboten werden.

Die Große Koalition legte kürzlich einen Katalog mit geplanten Änderungen des Waffengesetzes, teilweise sicher motiviert durch den Amoklauf von Winnenden, vor. Darin enthalten ist unter anderem ein Verbot von Spielen wie Paintball oder Laserdrome. Die Argumentation für das Verbot dürfte Fans bestimmter Computerspiele bekannt vorkommen: Beim Paintball, wo mit Farbkugeln auf gegnerische Spieler geschossen wird, werde “das Töten simuliert“, erklärte der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) die Verbotspläne gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

(taz)

*schimpf* * zeter* *rumschrei und hüpf*

Dazu fällt mir einfach nix mehr ein….

Schaffen wir doch gleich alle Spiele ab, in welchem Spiel geht es schliesslich nicht ums gewinnen und somit jemand anderen auszuschalten?

About love

Ich habe eine interessante Beobachtung gemacht, was die Liebe und der Umgang mit dem Menschen den man liebt angeht.
Man sagt, Liebe ist bedingungslos, aber viele Paare zerstören sich selbst durch Eifersucht und Machtkämpfe, obwohl sie sich lieben! Wie kann das sein??!

Die reine Liebe ist tatsächlich bedingungslos. Wenn jemand sich verliebt, in jemanden auf den er keinerlei Anspruch erheben kann und dies akzeptiert, also auch keine Erwiederung erwartet, dann ist die Liebe praktisch bedingungslos. Denn es existiert keine Eifersucht. Es macht dem Menschen nichts aus, wenn der- oder diejenige einen Partner hat und mit dem glücklich ist. Es sind die Gefühle die sich in einer Verbindung bilden, die die Liebe zerstören können. Der Anspruch, das der andere nur einem selbst gehören mag, ist Besitztum, daraus entsteht die Eifersucht.

Leider tritt die Liebe selten in der reinen Form auf, meistens geht sie mit Bedürfnissen und Erwartungen einher; diese haben zu unseren Gesellschaftsregeln geführt und sind zu nichts weiter gut als um Schadensbegrenzung zu betreiben. Leider muss nun jeder sich in diesen Regeln bewegen, auch wenn er bedingungslos lieben kann…

Veröffentlicht in:  on April 9, 2009 at 3:58 pm Hinterlasse einen Kommentar