Wenn ich einen Rückblick an mein letztes Jahr, 2008, tätige, dann war es in vieler Hinsicht für mich ein Jahr des Idole-Sterbens.
Wir treffen jeden Tag neue Menschen, lernen sie erst einmal oberflächlich kennen, stellen sie auf einen Podest, auf dem wir sie dann anbeten können. Vielleicht bleiben sie ein Leben lang da oben, aber einige wenige lernen wir genauer kennen. Und mir passiert es dann, dass diese Menschen ihren Glanz verlieren. Das, was man an ihnen geschätzt oder geliebt hat, verflüchtigt sich. Zum einen bemerkt man, dass es auch nur Menschen sind, die sich den täglichen Problemen des Lebens, wie wir auch, stellen müssen. Zum anderen erblicken wir hinter ihrem Schein Nichts. Sie fallen, langsam aber sicher, von diesem Podest. Einige wenige bleiben bei dir auf Augenhöhe stehen. Bei anderen kann man nicht mehr verstehen, was an ihnen so besonders war. Denn sie haben alles verraten, woran man bei ihnen geglaubt hat. Und sie verschwinden aus unserem Blickfeld.
Auch ich habe dieses Jahr wieder einige neue Menschen kennen lernen dürfen. Einige wenige durften den Altar erklimmen. Ein paar sind gleich wieder heruntergeklettert. Andere haben sich den Platz dort oben hart erkämpft und durften bleiben.
Jetzt sind zwei Wochen ins Land gezogen und der nächste Mensch hat sich vom Podest gestoßen. Man sieht es meist nicht kommen, bis einen dann die Hässlichkeit mit voller Wucht ins Gesicht schlägt. Und ich sitze hier und kann es nicht glauben, will es nicht wahr haben, frage mich, was passiert ist, warum er oder ich so reagieren. Aber es ist Fakt. Menschen kommen und gehen. Und ich muss sie ziehen lassen, wenn ich weiter leben will.
Die kleine Gruppe, die es sich auf dem Podest bequem gemacht hat, wird früher oder später dazu verdammt sein, zu fallen. Denn wir sind alles nur Menschen und werden nie den vollen Erwartungen unseres Gegenübers entsprechen können. Und wenn sie dann fallen, kann man sie auffangen, neben sich stellen. Diese Menschen sind dann immer noch interessant und liebenswürdig genug, dass man bei ihnen bleibt, bei einigen sogar ein ganzes Leben. Diese Menschen nennt man dann Freunde, fürs Leben. Man spürt dieses besondere Band, das einen, auch wenn man sich Jahre nicht sieht oder tausende Kilometer entfernt ist, immer wieder zu dem anderen zieht, besondere Augenblicke erleben lässt, die wichtig sind, um das Band zu stärken.
Freundschaft ist ein starkes Wort und sicher nicht leicht zu verdienen. Sie muss gepflegt werden, damit sie stark bleibt. Menschen, die Freunde werden, gehören auf gleiche Augenhöhe. Podest oder Abgrunde, das ist kein gemeinsamer Grund, auf den man etwas aufbauen kann. Wer auf Augenhöhe steht, dem kann man in die Augen schauen, unbewusst Worte austauschen und wachsen. Und wenn wir Freunde sind, wachsen wir zusammen und steigen empor. Wohin auch immer…

Oooohhhhh! Das hast du toll geschrieben!!