Dichtstunde

da saß ein kleiner Kakadu,
ich dacht er wollt nach Katmandu,
doch flog er zu den Bergen hoch,
auf seine Rückkehr wart ich immernoch.

hier sitzt ich in der kiste aus sand
und halte einen brief in der hand
er ist von dem kleinen Kakadu,
aus einem fernen land
so schreibt er von sein´ reisen nun
und hat sonst nix zu tun.
so sitz ich nun in meiner sandkiste
und schreib ihm für souvenirs ne liste

Ich sag dir jetzt  – bis gleich,
denn telenieren muss ich nun;
es wäre für mich hilfreich,
sagtest du mir, wann feierabend du gedenkst zu tun
ich dachte mir, es wäre schön
könnte ich doch nur jetzt schon gehn

das kann ich verstehen

der schmerz im kopf, er ist fast fort
drum bleib ich noch, an diesem ort
um fünf da schlägt die achte stund
drum denk ich mir, es wär g’sund
wäre ich doch einmal richtig klug
und nehme den tollen zug
dass ich um sechs in hamburg bin
ergibt das für dich einen sinn?
das klingt hervorragend für mich,
um sechs am gleis, da seh´ ich dich

sehr schön gedichtet haben wir,
nun müsst es nur noch zu papier
oder auf den blog der feder,
dort sieht es dann ein jeder.
ja, das mach doch mal geschwinde,
sonst ists dahin, in alle winde.

alles klar, bis später dann,
muss nun wieder an die arbeit ran
Veröffentlicht in: on September 16, 2009 at 4:17 Kommentare (1)
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Ein vereitelter Selbstmordversuch

Auf meinem sonntäglichen Spaziergang durch das sommerliche Hamburg gab es nichts, was mich auf meine spätere Entdeckung hätte hinweisen können.
Der Sommer hatte endlich die hanseatische Stadt erreicht, die Sonne schien in voller Breite herab, der Regen, der letzten Tage kühlte die Stadt ab.
Ich entschied mich, dem Chaos meiner Wohnung zu entrinnen und dem Tag eine Chance zu geben, mich am Wetter zu erfreuen. Wie so oft lief ich durch den Park hinter meiner Wohnung, nahm die S-Bahn Richtung Innenstadt, ging über den Rathausmarkt, der angereichert war mit Touristen aus aller Welt und Nachbarn, die sich den Tag frei nahmen, um die Sonne zu genießen. Mein Weg führte mich direkt zu Starbucks, um dort einen eisgekühlten, leckeren, sommerlichen Caramel-Frappucino zu mir zu nehmen. Wie oft hatte ich Gott schon dafür gedankt, dass der McDonald’s der Kaffee Fast-Drink-Industrie auch endlich in Hamburg ein zu Hause gefunden hatte.
Mit dem kalten Nass in meiner Hand ging ich weiter Richtung Alster. Hier tummelten sich weitere Menschenmassen in der Sonne. Auf dem Wasser fuhren die Alsterschiffe auf und ab und zeigten den Touristen Hamburg von der schönsten Seite.
Meine entspannte Motivation lies mich kurz verweilen, bevor ich mich weiter in Richtung des nächsten Straßenfestes gleiten lies. Von weitem ertönten Musik und Gelächter. Der Duft von Bratwurst und Flammkuchen durchströmte die Strassen.
Bevor ich mich allerdings ins Getümmel stürzen wollte, pausierte ich noch ein wenig an einem der vielen Alsterkanäle und schlürfte genüsslich die letzten Tropfen meines Frappucinos. Ich schloss die Augen, lies den Kaffee meinen Gaumen kitzeln, genoss die warme Sonne auf meiner Haut, träumte von einer Welt ohne Arbeit. Ich lies meine Gedanken schweifen, als ich mich auf einer Bank nieder lies. Gegenüber küssten sich ein junger Mann und eine junge Frau, ein altes Ehepaar diskutierte über den Vorteil von eingepflanzten Bäumen in übergroßen Blumentöpfen, junge Paare genossen ihre zwei Minuten Pause, bevor es zur nächsten Herausforderung ging. Die Uhr am Rathausturm zeigte zehn Minuten nach halb fünf.
Nichts, aber auch gar nichts, hätte mich an diesem schönen Sommertag in Hamburg zu dem Gedanken veranlasst, dass es etwas auf dieser Welt geben könnte, dass sich des Lebens hier überdrüssig sein könnte.
Da fiel mein Blick auf ein Fahrrad. Es stand dort schon eine Weile, unbemerkt und unscheinbar. In Grautönen lehnte es an der Brüstung und hielt sich fern vom Leben, das es umgab. Sein Vorderrad hatte es bereits über den Zaun geschwungen. Es sah aus, ja, es sah aus, als ob es über die Brüstung klettern und springen wollte. Nur irgendetwas schien es bis jetzt zurückzuhalten. Angst?
Schock durchdrang meinen Körper. Ich sprang auf und sah über den Platz. Aber es war niemand zu sehen, der sich zu dem Fahrrad hätte bekennen könnte. Ich näherte mich und schaute in die Tiefe. Ja, diesen Sprung würde selbst ein Fahrrad nicht überleben. Ich sah es mitleidig an und griff nach dem Lenker, um es abzuhalten.
„Was hast du? Wieso tust du das?“, fragte ich das Fahrrad, aber bekam keine Antwort. Ich spürte, wie das Fahrrad zu weinen anfing. Ich wollte es umarmen, trösten, fühlte mich aber unwohl, in der Öffentlichkeit dieser Gefühlsäußerung Ausdruck zu verleihen.
Ich versuchte das Fahrrad zur Vernunft zu bringen. Ich zerrte am Lenker, um das Vorderrad wieder in Sicherheit zu bringen. Es wehrte sich, sträubte sich, es schrie mich an, es in Ruhe zu lassen. Ich bemerkte, dass es an den Zaun gekettet wurde, was meine Hilfsaktion erschwerte. Das Fahrrad schien sich über meine Entdeckung zu freuen. Es nutze den Moment meiner Unachtsamkeit aus und stürzte sich erneut über die Rehling. Der Kampf begann von neuem. Fast hätte ich das störrische Fahrrad seinem Schicksal überlassen. Doch meine menschliche Überlegenheit gewann den Kampf um Leben und Tod. Ich hievte das Rad über den Zaun und stellte es auf das Pflaster zurück. Als das Rad den sicheren Boden berührte, hätte ich schwören können, ein Keuchen zu hören.
Was konnte das Fahrrad dazu veranlasst haben, diesen Schritt zu gehen? Was musste es erlebt haben, um zu einer so endlichen Entscheidung zu gelangen?
Gut, das Fahrrad war nicht mehr das jüngste. Es trug Spuren eines ereignisreichen Lebens. Die Farbe war an einigen Stellen abgeblättert, es hatte Kratzer über den ganzen Rahmen verteilt. Aber es sah immer noch topfit aus. Lance Armstrong hätte für die Tour de France sicher ein neueres und schnelleres Modell gewählt, aber für den gemeinen Hamburger Studenten hätte das Fahrrad noch mehr als ausgereicht.
Ich sah mich noch einmal um, um seinen Besitzer ausfindig zu machen, aber konnte niemanden erkennen, der sich dem Fahrrad zugehörig fühlte. Da war niemand.
Es überkam mich.
Das Fahrrad fühlte sich einsam. Als ich es mir genauer ansah, konnte ich erkennen, dass es hier schon einige Tage stand. Regentropfen vom letzten Schauer waren am Hinterrad erkennbar, sowie einige verteilte Spinnweben und Rostflecken. Einfach abgestellt und nicht wieder abgeholt. Unbemerkt streichelte ich über den Sattel, wie einem Neugeborenen über den Kopf. Es gab mir ein beruhigendes Gefühl. Ich hoffte, dass es sich auf das Fahrrad übertragen würde.
Was konnte ich jetzt tun? Ich konnte das Fahrrad nicht mitnehmen, denn trotz allem war es immer noch angekettet. Aber konnte ich es hier wirklich seiner Einsamkeit überlassen? Ich dachte an mein Fahrrad zu Hause, im dunklen Keller. Wie würde es sich fühlen, da ich es in letzter Zeit nur zu selten ausfuhr? Würde es sich über Gesellschaft freuen? Was hätten sie sich alles zu erzählen?
Aber hier ging es um den armen Drahtesel zu meinen Füßen. Was konnte ich tun? Ich sah mich um und kam zu dem Entschluss, dass ich hier nicht weiter helfen konnte. Ich hatte mein Bestes gegeben. Mehr konnte ich jetzt einfach nicht weiter machen. Ich beschloss, meinen Weg fortzusetzen und war froh, dass das Fahrrad angekettet war und somit für den nächsten Versuch gesichert war. Das gab mir ein wenig Ruhe gegenüber meinem schlechten Gewissen.
Aber ich konnte auch nichts weiter tun. Ich konnte dem Wunsch des Fahrrads nach Gesellschaft und einem Sinn im Leben nicht nachkommen. Dieses Problem konnte ich nicht zu meinem machen. Es war nicht mein Problem! Ich hatte meine eigene Einsamkeit, meine eigenen Herausforderungen. Ich musste los lassen. Es fiel mir schwer, aber ich musste mich hier vom Fahrrad trennen. Ich versprach, am nächsten Tag noch einmal vorbei zu kommen und nach dem Rechten zu sehen. Aber mehr ging nicht.
Die Uhr zeigte mittlerweile fünf vor fünf an. Es wurde Zeit.
So drehte ich mich um und ging weiter in Richtung Lärm und Bratwurstgeruch. Meiner Einsamkeit würde gleich ein Ende bereitet werden. Ich würde mich mit Freunden treffen, genug Bier trinken, um allen Problemen für den Moment aus dem Weg gehen zu können und dem Tag einen angemessenen Abschluss zu geben.

Veröffentlicht in: on August 6, 2009 at 7:28 Kommentar schreiben
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Eine kleine Geschichte

Es hat sich etwas zugetragen, von dem ich euch erzählen möchte.

Es war in einer Buchhandlung, nicht allzuklein, mit einem breiten Angebot mit tausenden und abertausenden von Büchern. In dieser Buchhandlung gab es raumhohe Regale, mit Taschenbüchern, Hardcovern und Zeitschriften. In den weiten Gängen standen Tische mit ausgelegten Büchern, die besonders schön waren und an denen die Besucher besonderen Gefallen fanden. Wenn man diese Buchhandlung betrat, durchschritt man die Grenze zu einer anderen Welt.

In diese Buchhandlung kamen jeden Tag Hunderte, gar Tausende von Menschen, um sich umzuschauen, sich zu erfreuen, sich selbst etwas gutes zu tun.

An einem Tag geschah es nun, dass ein junger Mann und eine junge Frau diese Buchhandlung betraten. Sie schauten sich um, gingen an den Regalen vorbei, durchsuchten die aufgestellten Tische, bis sie das fanden, was sie suchten. Eine kleine Reihe von Büchern, als Hardcover mit einem roten, verträumten Einband, das schemenhaft eine Frau darstellte.

Die junge Frau nahm eines der Bücher in die Hand, sanft und zärtlich, es legte es in die andere Hand, drehte das Buch einmal in ihren Händen. Es war wunderschön. Sie wollte es. Auf dem unteren Teil der Rückseite erkannte sie den Preis. Sie zweifelte, ob der Preis wirklich gerechtfertigt war. Mit großen, runden, braunen, traurigen Augen schaute sie den jungen Mann an. Ihr Blick verriet es, sie wollte das Buch.

Dann griff sie nach einem anderen Exemplar aus der Reihe der Bücher, auch dieses in Hardcover eingeschlagen, mit grünem, verträumten Einband, das schemenhaft eine Frau darstellte. Wie schon mit dem vorherigen Buch spielte sie damit in ihren Händen. Ihr Blick verriet, ich will es haben. Doch auch hier schreckte sie der Preis wieder ab. Wieder suchten ihre Augen sehnsüchtig das Gesicht des jungen Mannes.

Von der Sehnsucht in den Augen der jungen Frau überwältigt, nahm der junge Mann das Buch aus ihren Händen.

„Ich werde fragen gehen, wann das Buch als Taschenbuch heraus kommt!“ Diese Worte erfüllten den Blick der jungen Frau mit Hoffnung und Freude. Schnell drehte sich der junge Mann um und verschwand.

Alleine stand die junge Frau nun an dem Tisch, nahm wieder eines der Bücher in die Hand, drehte es, befühlte es, schaute es sich an, öffnete es und blätterte ein wenig darin herum. Nur knapp konnte sie dem Drang wederstehen, daran zu riechen. Durch ihren Körper drang ein Gefühl der Freude und die Sehnsucht wurde immer größer.

„Das ist viel zu lange, um darauf zu warten!“, sagte auf einmal eine Stimme neben ihr.

„Ja, ne?“ Die junge Frau schaute traurig und unglücklich in das Gesicht aus dem die Stimme kam.

Sie drehte sich nach dem jungen Mann um, der gerade wieder an dem Tisch erschien. Blicke der Hoffnung empfingen ihn.

„Das Taschenbuch kommt nicht vor März nächsten Jahres heraus!“ Ungläubig schaute sie ihn an.

„Solange kann ich nicht warten!“ Die Enttäuschung in ihrer Stimme durchdrang den ganzen Raum.

„Sind sie es wert?“

„Ja! Jede einzelne Zeile!“, antwortete die Stimme und verschwand wieder.

Als ob ein Engel aus dem nichts aufgetaucht und wieder verschwunden wäre. Es war genau das, was die junge Frau hören wollte. Der Funken, der fehlte, um die Bücher sofort mitzunehmen. Jede einzelne Zeile war diesen Preis wert. Es gab keine perfektere Ausrede für den Kauf der Bücher. Glück und Freude durchfuhren die junge Frau. Ihr Gesicht erhellte sich, sie strahlte vor Freude. Glückseelig nahm sie die beiden Bücher in ihre Hände und drückte sie an ihre Brust. Sie hatte ihre Entscheidung getroffen.

Mit den Büchern in ihren Händen ging sie Richtung Kasse. Sie stellte sich an, zog ihr Portemonnaie, übergab freudestrahlend das Geld und bekam dafür das schönste Geschenk an diesem Tag. Keinerlei Reue zeichnete ihr Gesicht. Ihre beiden sehnsüchtig verlangten Bücher hielt sie nun in ihren Händen. Es waren die ihrigen. Sie wusste schon jetzt, dass sie sie lieben würde. Der Tag war für sie gerettet. Federleicht, vor lauter Freude tanzte sie aus der Buchhandlung.

Der Engel schaute ihr nach und lächelte sanft in sich hinein. Kam ihm die Situation doch nur allzu bekannt vor.

Eine Welle des Glücks und der Freude durchschwabbte die Buchhandlung. Die Besucher bahnten sich weiter ihren Weg durch die tausenden von Geschichten, auf der Suche nach der einen, die sie, wie die junge Frau, mit Freude erfüllen würde.

An diesem Tag wurde noch viele, viele weitere Bücher verkauft. Aber keiner der anderen Besucher hinterlies jegliches Gefühl des Glücks, wie die junge Frau.

Ende.

Veröffentlicht in: on at 7:26 Kommentar schreiben
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Ein perfekter Sommerabend

Was gibt es besseres, als nach einem beschissenen Tag im Büro nach Hamburg zurückzukehren und in die offenen Arme einer Freundin zu laufen?

Die strahlenden Augen zu erblicken. Sich in ein Cafe mitten in der Stadt zu setzen, etwas zu trinken, zu lachen. Sich zu erfreuen, an den Passanten, den frechen Tauben, den Geschichten der letzten Tage, den Hoffnungen der kommenden Tage.

Und dann packt einem die Lust, „Lass uns nochmal ein wenig schauen gehen!“ Nichts ist mehr vor einem sicher. Jegliche Geschäfte reifen zu potentiellen Opfern heran. Der Geist ist offen, die Ideen sind groß.

Man guckt, schaut, spielt, wechselt, redet, diskutiert, drapiert, wedelt, freut sich, ekelt sich, plant, überschlägt, lacht, trifft eine Entscheidung. „Das soll es sein!“

Und kurz bevor man aus dem Geschäft geschmissen wird, „Wir machen jetzt dicht! Bitte nur noch schnell bezahlen. Die Ware wird Ihnen dann zur Kasse gebracht!“, zückt man die EC-Karte und gibt ein Vermögen aus. Glücklich verlässt man durch den letzten offenen Ausgang das Geschäft…

Die Welt liegt einem zu Füßen, wir sind jung, die Nacht sowieso… Es fehlt nur noch eine offene Toilette! Und eine Kleinigkeit zu Essen.

Der Rathausmarkt hält alle Möglichkeiten offen, einen Flammkuchen, etwas zu sitzen, zu sehen, zu entdecken, zu diskutieren, zu lachen, zu träumen, zu wundern, zu verstecken, zu hoffen…

Der Flammkuchen ist gut, aber den Preis nicht wert. Er füllt lange nicht den Magen, aber der erste Hunger ist gestillt. Wir schauen auf das Rathaus und erblicken Dinge, die uns vorher entgangen sind, der goldene Adler auf der Spitze, die Wappen der Bundesländer, das oberste Guckloch, Bilder an der Mauer… Die anderen Besucher schauen sich mit um, entdecken mit uns zusammen Hamburg…

Dann wird es kühler, die Blase drückt, die Nacht bricht herein, der nächste Morgen ruft… Und somit machen wir uns auf … auf den Weg nach Hause.

Wir hinterlassen ein Gefühl des Glücks und der Freude im anderen. Wir verabschieden uns mit den Worten, „Das müssen wir bald wieder machen!“. Und sinken ins Kopfkissen und beenden den Tag mit den schönsten Träumen…

Veröffentlicht in: on at 7:24 Kommentar schreiben
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Wie lange wird es dauern?

Wenn ich jetzt gehen würde, wie lange würde es dauern, bis die Menschen merken, dass ich weg bin? Wie lange würde es dauern, bis sie sagen, „Sie ist gegangen!“.
Was würde ich zurücklassen? Nachbarn, die endlich einen neuen Mitbewohner bekommen, der täglich den Flur reinigt und jedes Wochenende die Fenster putzt. Ein Chef, der endlich seine Arbeitsmaschine bekommt, die von morgens bis abends arbeitet, keine Pinkelpausen einlegt und die anderen Kollegen vom arbeiten abhält, jemanden der stumpf die Anforderungen abarbeitet. Freunde können nachts endlich durchschlafen, werden nicht von hysterischen Anrufen geweckt und müssen Jugendherberge spielen, wenn der Kummer mal wieder zu groß geworden oder der Schlüssel im Nirgendwo liegen gelassen wurde.
Aber was ist mit der Person, die euch verlassen wird? Wird man die Person vermissen? Ihr ansteckendes Lachen, ihren Witz, ihre Spontanietät, die irrwitzigen Einfälle, die Begeisterung für alles und nichts, die Reden von Licht und Dunkelheit, die Träume, die Naivität, die Liebe in ihrem Herzen, ihre Großmütigkeit, ihr Wesen.
Wie lange würde es dauern?
Wie lange würde es dauern, bis ich eine neue Heimat gefunden habe? Werde ich dort nicht die gleiche sein? Eingeschüchtert, ängstlich, träumerisch, … Oder werde ich dort eine andere werden? Weil man mich mit offenen Armen empfängt, mich annimmt, mich ausquetscht, mir meinen Freiraum und meine Eigenheiten lässt?
Das Leben hier treibt mich davon. Ich halte es hier nicht mehr aus. Ich verliere das Oberwasser. Nur wie wird es da drüben sein? Da drüben, wo die Wiesen grüner und der Himmel blauer ist? Was werde ich sehen, wenn ich zurück blicke? Wird es auch da drüben sein? Mit saftigen grünen Wiesen und himmelblauem Horizont? Oder halten die Wiese und der Himmel was sie versprechen? Ein schöneres Leben voller Farbe und Schönheit? Kann ich meine Einsamkeit dort überwinden? Was wird mich erwarten?

Ich packe meine Sachen in meinen Koffer. Ich nehme mir mein Kuschelkissen, drücke es fest an mich, sehe mich um. Für dieses Leben hier habe ich nichts mehr zu geben. Meine Kraft ist am Ende, die Erwartungen sind enttäuscht, Hoffnungen verloren. Ich hinterlasse eine leere Wohnung und steige in mein Auto. Ich wollte schon immer einmal wissen, wie weit mich dieses rote Wunder auf vier Rädern noch bringt. Ich wollte schon immer einmal ans Mittelmeer, nach Frankreich. Mein Auto und ich. Das Leben liegt vor mir, der Tod hinter mir. Als ich meinen Schlüssel ins Zündschloss stecke und ihn umdrehe, spüre ich, wie mir die Steine reihenweise vom Herz fallen. Je weiter ich mich von meinem alten Leben entferne, umso mehr spüre ich, wie neues Leben in mir erwacht, wie eine kleine Knospe erblüht und nach Leben schreit, um wachsen zu können. Nach Liebe, Sehnsucht, Träumen, wahr gewordenen und welche, die noch darauf warten, wahr zu werden, nach Wein, dem Meer und der Sonne.
Ich habe mich von allen verabschiedet, versprochen zu schreiben, anzurufen.
Wie lange wird es dauern, bis man mich vergisst, die Briefe versiegen, die Telefonate ausbleiben?
So ist das Leben nun einmal. Man lebt sein Leben weiter, man schaut voraus, nicht zurück, man denkt nicht an die Verlorengegangenen, die die gegangen sind. Man bleibt zurück und geht doch voran…

Mein Weg führt mich zur Sonne und zum Meer. Und wie ich so aufs Wasser hinausschaue, denke ich an die, die ich zurückgelassen habe, meine Freunde, die Familie, meine Kollegen, meine Nachbarn. Ich weiß, dass sie mich vermissen werden. Aber das ist ihr Schmerz und nicht meiner. Ich gehe meinen Weg und folge meinen Träumen. Zu lange habe ich für sie gelebt und bin dabei einen kleinen Tod gestorben. Aber jetzt, hier, schaue ich aufs Meer und fühle mich frei, am Leben. Die Knospe in mir erblüht mit jedem weiteren Kilometer, den ich auf meinem Weg zurücklege. Und mit ihr erblühe ich. Ich öffne meine Arme, ich schreie, ich lache, ich weine, ich werde von neuem geboren und heiße mein Leben willkommen…

Veröffentlicht in: on Januar 5, 2009 at 11:06 Kommentar schreiben
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